9, Mai 2022
Bei Müttern heißt ein kurzer Arbeitsweg weniger Lohn

Frauen verkürzen im Gegensatz zu Vätern nach der Geburt des ersten Kindes häufig ihren Arbeitsweg. Dadurch verdienen sie jedoch im Schnitt ein Drittel weniger.

Wenn Mütter zu einer wohnortnahen Arbeitsstelle wechseln, ist das in der Regel mit hohen Gehaltsverlusten verbunden. Forschern zufolge ist das mit einer der Gründe des deutlichen Lohngefälles zwischen Männern und Frauen, dem sogenannten Gender Pay Gap.

Das zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, die das Wissenschaftsmagazin Demografische Forschung aus Erster Hand kürzlich vorstellte. Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland aktuell bei 18 Prozent. Bis zum 7. März haben Frauen demnach umsonst gearbeitet für das Jahr 2022 im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Ein Viertel des Lohngefälles zwischen Müttern und Vätern ist nach den Studienergebnissen durch den Jobwechsel der Frau nach der Geburt zu erklären. Jede dritte Mutter verringert nach dem ersten Baby den Weg zur Arbeitsstelle. Überwiegend wird dafür der alte Job gekündigt und ein neuer in der Umgebung angenommen. Seltener zieht die Frau mit ihrer Familie näher an ihren aktuellen Arbeitsort um. Durch den kürzeren Weg bleibt dann zwar mehr Zeit für die Familie, allerdings erleiden Frauen dadurch einen Lohnausfall von bis zu 30 Prozent. Männer hingegen verringern ihre Pendelzeit als werdende Väter eher selten und verzeichnen somit auch beim Gehalt kaum Einbußen. Das gilt unabhängig davon, welches Elternteil wie viel Elternzeit in Anspruch nimmt.

Familienzeit ist Müttern oft wichtiger als das Gehalt

Im Durchschnitt erhalten Mütter durch die verkürzte Pendelzeit einen um rund elf Prozent geringeren Stundenlohn. Frauen, die nicht umziehen, sondern den Job wechseln, verdienen im Anschluss durchschnittlich sogar 30 Prozent weniger Gehalt. Zusätzlich ist die neue Arbeitssituation meist eine dauerhafte Lösung. So verändert sich auch in den kommenden sieben Jahren die Pendeldistanz von Frauen fast nicht. Hinzu kommt ein weiterer Nachteil. Mütter arbeiten häufig in Teilzeit und treten die neue Arbeitsstelle demnach meist mit geringerer Stundenzahl an als die vorherige. Ein späterer Wechsel in Vollzeit ist beim neuen Arbeitgeber aber nicht immer möglich.

Die Ursachen für das geringere Gehalt nach dem Jobwechsel sind vielfältig. Einerseits verringern Frauen die Arbeitszeit, andererseits geht firmenspezifisches Wissen nach einer langen Betriebszugehörigkeit verloren, was im alten Unternehmen oftmals mit einem höheren Lohn einherging. Ebenso wechseln Mütter nach den Studienautoren häufiger zu kleineren Firmen, die schlechter bezahlen. Zudem werden mitunter Jobs angenommen, die dem Qualifikationsprofil nicht gut entsprechen, da die Auswahl um den Wohnort begrenzt ist.

4, Apr 2022
Hohe Immobilienpreise, steigende Zinsen: Wird es jetzt kritisch?

Die Preise für Wohnimmobilien steigen laut Statistischem Bundesamt im Rekordtempo, Miet- und Kaufpreise klaffen immer weiter auseinander und nicht zuletzt die Bundesbank attestiert dem Immobilienmarkt eine deutliche Überbewertung. Zurzeit steigen nun auch die Zinsen. Rückt die Gefahr einer Preisblase jetzt näher? Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, kommentiert die aktuelle Situation und die Perspektiven.

Eine Immobilienblase platzt, wenn die Häuser und Wohnungen plötzlich dramatisch an Wert verlieren, zu wenig Nachfrage einem viel zu großen Angebot gegenübersteht oder Eigentümer sich flächendeckend ihre Immobilie nicht mehr leisten können. Gründe dafür kann es mehrere geben – zum Beispiel derart überteuerte Preise, dass sich niemand mehr darauf einlässt oder zu großzügig gewährte Kredite, die nicht mehr bedient werden können.

Preise zum Teil übertrieben 

Mindestens in Ballungsgebieten ist ein sehr schneller und sehr deutlicher Anstieg der Immobilienpreise zu beobachten: Hier stiegen sie zuletzt jährlich um zweistellige Prozentsätze. „In vielen großstädtischen Lagen und bei immer mehr Bauprojekten lässt sich von Übertreibungen – oder auch aufgeblähten Preisen – sprechen“, meint  Michael Neumann von Dr. Klein. Dazu kommt, dass perspektivisch steigende Zinsen ebenfalls die Kosten erhöhen. „Ja, der Kauf einer eigenen Immobilie wird teurer“, so Neumann. „Aber nicht in dem Maße, dass die Nachfrage flächendeckend einbricht.“ Mindestens in Metropolregionen rechnet der Experte mit weiterhin steigenden Kauf- und Baupreisen, wenn auch mit gedrosseltem Tempo. In ländlichen Gegenden dagegen könnten Immobilienpreise stagnieren oder in einzelnen Regionen auch zurückgehen – nicht zuletzt, weil die Höhe der Energiekosten für Pendler an Relevanz gewinnt. 

Ausfallrisiko von Immobilienkrediten

Das extrem niedrige Zinsniveau der letzten Jahre hat den Immobilienboom noch einmal angefacht: Viele haben die günstigen Konditionen genutzt, um sich ihren Wunsch vom Eigenheim zu erfüllen. Einer neuen Regelung der Bankenaufsicht Bafin zufolge müssen Kreditinstitute mehr Eigenkapital für ihre Baufinanzierungsdarlehen vorhalten und auch die hohen Inflationssausichten tragen zur Verteuerung von Zinskonditionen bei. Können sich diejenigen, die ihre Immobilie zu niedrigen Zinssätzen finanziert haben, die Anschlusskredite noch leisten – oder drohen Kreditausfälle? „Nein“, ist Michael Neumann von Dr. Klein überzeugt. „Denn dazu gehört, dass die Banken ihre Kredite leichtfertig vergeben. Und das sehen wir ganz und gar nicht. Banken vergeben keine Darlehen an Käufer mit geringer Bonität und wenig Eigenkapital, sondern sie prüfen äußerst konservativ.“ Zudem betrachteten Kreditinstitute nicht nur den Zeitraum der Zinsbindung, sondern achteten darauf, dass das Darlehen über die gesamte Laufzeit auch vollständig zurückgezahlt werden kann. Eine Situation wie 2008 in den USA ist also nicht zu erwarten – dort wurden in großem Stil auch Summen über den Kaufpreis hinaus finanziert, ohne dass entsprechende Sicherheiten vorhanden waren.

Steigende Zinsen könnten den Markt entspannen

Immer höhere Gesamtkosten führen dazu, dass der Erwerb von Wohneigentum schwieriger wird – besonders für Leute ohne nennenswertes Eigenkapital. Für Privatpersonen bleiben Immobilien dennoch beliebt, unter anderem als Altersvorsorge. Anders sieht es bei Kapitalanlegern aus: „Bei signifikanten Zinsanstiegen werden sich einige Investoren, die vor allem die Rendite im Fokus haben, umorientieren“, so Michael Neumann. „Denn wenn es Anlagealternativen gibt, die eine bessere Rendite versprechen, nimmt die Attraktivität der Anlageklasse Immobilie ab.“ Die Folge wäre eine geringere Nachfrage und damit eine Entspannung der Marktlage. Zum anderen könnten vermehrt Immobilien aus den Anlagebeständen auf den Markt kommen, wenn sie nicht mehr renditeträchtig sind. Auch dies hätte zur Folge, dass sich das Angebot vermehrt und der Druck auf Kaufpreise etwas nachlässt. Droht also ein Preisrutsch? Michael Neumann von Dr. Klein sieht keinen Grund zur Sorge: „Eine abrupte Veränderung wird es nicht geben – weder auf der Zins- noch auf der Angebotsseite“, vermutet er. Wer seine Investitionen umschichtet, braucht dafür Zeit – eine Immobilie ist nicht von heute auf morgen zu verkaufen. Auch sind keine abrupten Zinssprünge zu erwarten. „Ich sehe einfach keinen drohenden Knall und kein „Platzen“, sondern allenfalls Luft, die aus der dynamischen Preisentwicklung entweichen könnte“, so Michael Neumann.

Folgen fallender Preise für Eigennutzer

Wenn die Preise doch nachgeben – besteht Grund zur Sorge für Eigentümer, die die Immobilie noch abbezahlen? „Selbstnutzer sind erst einmal gar nicht von Preisänderungen betroffen“, meint Michael Neumann. „Ob der Preis auf dem Papier gestiegen ist oder gesunken ist, ist für sie zweitrangig. Sie müssen die Rate bedienen, die jeden Monat gleich ist – unabhängig von der aktuellen Wertentwicklung“. Erst wenn die Immobilie kurzfristig verkauft werden muss, zum Beispiel durch Scheidung oder Tod in der Familie, mache sich ein etwaiger Preisrückgang bemerkbar.

Über Dr. Klein

Die Dr. Klein Privatkunden AG ist einer der größten Finanzdienstleister Deutschlands und bereits seit 1954 am Markt etabliert. Mit über 700 Beraterinnen und Beratern in deutschlandweit mehr als 250 Büros hat das Unternehmen die meisten Standorte der Branche. Die Spezialisten von Dr. Klein beraten in den Bereichen Baufinanzierung, Versicherung und Ratenkredit.

4, Apr 2022
DAX-Pensionswerke: Rekord bei Ausfinanzierung

Die Betriebsrenten der im deutschen Leitindex DAX vertretenen Unternehmen erreichten 2021 einen Höchststand bei der Ausfinanzierung. So wuchsen die Pensionsvermögen auf der Grundlage guter Erträge ziemlich stark. Gleichzeitig sanken die Verpflichtungen zinsbedingt.

Obwohl der DAX im September 2021 auf 40 Unternehmen anwuchs, stieg der Umfang der Pensionsverpflichtungen der DAX-Pensionswerke nur geringfügig: um 0,7 Prozent auf 412 Milliarden Euro. Parallel wuchsen die Pensionsvermögen erheblich: um zwölf Prozent auf 298 Milliarden Euro.

In Summe steigt damit der Ausfinanzierungsgrad auf einen bislang noch nicht erreichten Höchststand von 72 Prozent (2020: 65 Prozent). Der Grund dafür sind positive Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Die weltweite wirtschaftliche Erholung sorgte für außerordentliche Erträge und damit für einen Zuwachs bei den Pensionsvermögen. Gleichzeitig stieg auch der Rechnungszins um 40 Basispunkte. Das führt dazu, dass der Umfang der Verpflichtungen in den Bilanzen niedriger auszuweisen ist. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „DAX-Pensionswerke 2021“ der Unternehmensberatung WTW. „Insgesamt ist diese Entwicklung sehr erfreulich“, sagt Hanne Borst, Leiterin der versicherungsmathematischen bAV-Beratung bei WTW. „Den Unternehmen ist es gelungen, den Aufwind durch die wirtschaftliche Erholung zu nutzen, um die betriebliche Altersversorgung für ihre Mitarbeitenden weiter zu stärken“, so Borst.

Rendite liegt deutlich über dem Vorjahr

Aus den Pensionsvermögen wurden Erträge von 22,5 Milliarden Euro und damit weit mehr als erwartet erwirtschaftet. Die Rendite liegt mit 8,0 Prozent deutlich über dem Wert des Vorjahres. „Die Unternehmen haben ihre Pensionsvermögen sehr gut gemanagt“, berichtet Borst. Auch die Erweiterung des DAX von 30 auf 40 Unternehmen sorgte für einen Zuwachs bei den Pensionsvermögen, jedoch in geringerem Ausmaß als die Kapitalerträge. Außerdem führten die DAX-Unternehmen ihren Pensionsvermögen 2021 insgesamt rund neun Milliarden Euro zu.

Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung wurden im vergangenen Jahr auch die Anleihenkaufprogramme der Europäischen Zentralbank und der US-amerikanischen Federal Reserve reduziert. Die Federal Reserve kündigte eine erste Leitzinserhöhung an. In der Folge stieg der Rechnungszins – nach einer langjährigen Talfahrt – um 40 Basispunkte auf 1,20 Prozent. Da die höheren Zinsen in die Ermittlung der Pensionsverpflichtungen einfließen, sank der Verpflichtungsumfang so stark, dass die Effekte aus der Indexveränderung weitestgehend kompensiert wurden.

Inflation hat überschaubare Auswirkungen

„Der Rechnungszins beeinflusst die Pensionsverpflichtungen weitaus stärker als andere Faktoren“, erläutert Aktuarin Borst diesen Effekt. Steigt der Rechnungszins um 100 Basispunkte, sinken die Pensionsverpflichtungen um rund 16 Prozent (66 Milliarden Euro). Andere Einflussfaktoren wie die steigende Lebenserwartung oder die steigende Inflation schlagen hingegen nur wenig zu Buche. In Summe stieg der spezifische Ausfinanzierungsgrad – das Verhältnis des für die Bedeckung von Pensionsverpflichtung reservierten Vermögens zum gesamten Verpflichtungsumfang – auf einen historischen Höchststand von 72 Prozent. Einen ähnlich hohen Ausfinanzierungsgrad erreichten die DAX-Unternehmen erstmals 2007, seitdem nie wieder.

Während derzeit die ansteigende Inflation und ihre Folgen breit diskutiert werden, sind ihre Auswirkungen zumindest für die bAV überschaubar. „Pensionsverpflichtungen sind langfristiger Natur. Somit ist hier nicht die aktuelle, sondern eine langfristige Inflationsannahme zu wählen“, erklärt Borst. Die Auswirkungen des Inflationsanstiegs auf die Höhe der Pensionsverpflichtungen sind gering: Ein Anstieg der Inflationserwartung um 25 Basispunkte würde die DAX-Pensionsverpflichtungen um lediglich rund zwei Prozent vergrößern (das entspricht rund acht Milliarden Euro).

Die Studie „DAX-Pensionswerke 2021“ basiert auf den Geschäftsberichten der 40 DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 21. März 2022 (17.00 Uhr) hatten 32 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 vorgelegt. Bei acht Unternehmen, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat WTW die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt.

27, Mrz 2022
Duschgel für Männer im Test: Problematische Inhaltsstoffe entdeckt

Duschgel für Männer soll markant riechen, aber sanft zur Haut sein. Das schaffen nicht alle Produkte in unserem Test: In manchen stecken Stoffe, die aus unserer Sicht wenig hautfreundlich sind. Wir haben 44 Duschgele überprüft.

  • Im Test: 44 Duschgele für Männer, darunter 14 Naturkosmetikprodukte.
  • 15 Duschgele sind mit „sehr gut“ empfehlenswert. 
  • Kritik gibt es aufgrund bedenklicher Duftstoffe und möglicherweise allergieauslösenden Substanzen. 
  • Am häufigsten bemängeln wir PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. 

Herb sollen sie riechen, markant, eben „nach Mann“. Und dennoch sollte auch ein Duschgel für Männer in erster Linie gut reinigen und dabei die Haut schonen. Mit den Begriffen „hautfreundlich“ oder „hautverträglich“ werben entsprechend viele Anbieter im Test. Aber sind sie das auch?

Nivea, L’Oréal & Co.: Duschgel für Männer im Test

Wir haben 44 Duschgele, die sich an Männer richten, eingekauft und in die Labore geschickt. Das Ergebnis: 15 Produkte sind mit Bestnote rundum empfehlenswert. Allerdings sind wir auch auf Inhaltsstoffe gestoßen, die nach unserer Meinung nichts in einem Duschgel zu suchen haben. Zwei Produkte rasseln mit „mangelhaft“ durch den Test, einige sind nur mittelmäßig. 

Ein beliebter Duft für die erwünschte männlich-markante Duftnote ist Moschus. Den Stoff gewinnt die Industrie schon lange nicht mehr aus einer besonderen Drüse von Moschustieren, sondern stellt ihn synthetisch her.

Wir kritisieren ihn, weil die dafür verwendeten polyzyklischen Verbindungen sowie Cashmeran gesundheitlich problematisch sind. Sie reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Tierversuche gaben Hinweise auf Leberschäden.

Kritische Duftstoffe in Duschgel für Männer 

Das von uns beauftragte Labor hat diese Verbindungen in drei Duschgelen für Männer nachgewiesen. Außerdem ärgerlich: Moschusduft müssen Anbieter und Hersteller nicht deklarieren. Deshalb können Verbraucherinnen und Verbraucher anhand des Etiketts leider nicht erkennen, ob er enthalten ist. 

Doch damit nicht genug. Ein getestetes Duschgel für Männer enthält einen anderen problematischen Duftstoff: das nach Maiglöckchen riechende Lilial. Dieser Duftstoff erwies sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend und besitzt ein geringes Allergierisiko.

Seit 1. März 2022 dürfen auf dem EU-Markt Kosmetikprodukte, die den Stoff enthalten, nicht mehr über die Ladentheke gehen – der Anbieter hat das Produkt laut eigenen Angaben inzwischen auch vom Markt genommen.

Potentiell allergieauslösender Konservierer entdeckt

Neben bedenklichen Duftstoffen bemängeln wir auch halogenorganische Verbindungen, die in einigen Duschgelen für Männer im Test stecken. Das ist eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen; viele gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an.

In einem geprüften Duschgel handelt es sich um die Verbindung CIT (Chlormethylisothiazolinon), die als Konservierungsstoff zum Einsatz kommt. Sie kann die Haut und die Augen reizen und besitzt ein besonders hohes allergenes Potenzial.

Nicht alle Duschgele für Männer sind sanft zur Haut 

Am häufigsten beanstanden wir aber sogenannte PEG-Verbindungen in den Männer-Duschgelen im Test. Sie sind in vielen Produkten enthalten. Die Hersteller setzen sie unter anderem als Tenside ein, also als Reinigungssubstanzen. Zudem sorgen sie für Schaum. Jedoch können sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Als Alternativen haben sich längst mildere Zucker- und Kokostenside etabliert; vor allem in zertifizierter Naturkosmetik, in der das zur Herstellung von PEG-Verbindungen verwendete Verfahren der Ethoxylierung nicht erlaubt ist.

Einige Männer-Duschgele schaden der Umwelt

Minuspunkte gab es außerdem aus Umweltgründen. So enthalten einige untersuchte Duschgele für Männer synthetische Polymere. Das Problem: Diese Kunststoffverbindungen sind in der Umwelt zum Teil schwer abbaubar und können das Abwasser unnötig belasten, auch wenn sie anders als feste Mikroplastikpartikel in gelöster Form vorliegen.

Außerdem: Nur zehn Anbieter legten uns Nachweise dafür vor, dass ihre Flaschen oder Tuben aus Kunststoff zum Teil aus recyceltem Material oder aus einem Biokunststoff bestehen. Wir finden es wichtig, Rezyklatanteile zu verwenden, da sich so Plastikmüll reduzieren lässt.

Die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Quelle: Ökotest

27, Mrz 2022
Ökostrom-Vergleich: Diese Produkte der Ökostromanbieter sind „mangelhaft“

Ein wirksames und empfehlenswertes Ökostrom-Produkt trägt transparent zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Doch unser Ökostrom-Vergleich mit 78 Ökostromanbietern zeigt: Nicht viele der Tarife genügen diesem Anspruch. Außerdem beantwortet der Artikel wichtige Fragen zum Ausbau erneuerbarer Energien.

  • Die Produkte von 14 Ökostromanbietern schneiden mit „sehr gut“ ab. Sie leisten unserer Ansicht nach nachvollziehbar und transparent einen Beitrag zur Energiewende außerhalb des EEG-Stroms.
  • Mit „mangelhaft“ bewerten wir 42 Tarife in unserem Ökostrom-Vergleich. 
  • Jeder, der sich für Ökostrom entscheidet, fördert den Ausbau erneuerbarer Energien. Aber: Ökostrom-Produkte selbst leisten keinen großen Beitrag zur Energiewende. 

Wir bleiben dran – das haben wir am Ende unseres Tests im Jahr 2021 versprochen. Dieses Versprechen halten wir: Wir haben weitere Ökostrom-Produkte unter die Lupe genommen. Doch der Strommarkt im Jahr 2022 ist nicht mehr derselbe. Die Preise sind durch die Decke gegangen, die politische Lage hat sich komplett verändert.

Gelinde gesagt: Es herrscht Chaos am Strommarkt und damit auch am speziellen Markt der Ökostrom-Tarife. Das Chaos beginnt damit, dass man viele Tarife, die jahrelang als Topprodukte galten, im Moment gar nicht kaufen kann.

Ökostrom-Vergleich: Der Markt steht Kopf 

Als Datenbasis für diesen Test haben wir eine Tarifübersicht der Get AG vom 02.02.2022 berücksichtigt. Zusätzlich haben wir die populäre Liste EcoTopTen sowie von RobinWood empfohlene Ökostrom-Produkte in unsere Untersuchung aufgenommen.

Besser gesagt: Wir wollten sie aufnehmen, konnten es aber nicht bei allen, weil es diese Tarife zum Zeitpunkt unserer Datenerhebung gar nicht mehr oder nicht mehr für Neukunden am Markt gab. Denn etliche Anbieter verkaufen in diesen Zeiten überhaupt keinen Strom an Neukunden. Dazu gehören auch die Pioniere am Ökostrommarkt EWS Schönau und Green Planet Energy (ehemals Greenpeace Energy), ohne die ein Test Ökostrom-Produkte eigentlich kaum denkbar ist.

Weil die Preise hoch sind und der Markt Kopf steht, bieten viele Unternehmen zurzeit keine neuen Verträge an. Etliche stellen aus diesem Grund auch keine, oder für diesen Test nicht ausreichende, Informationen auf ihren Webseiten bereit. Damit fehlte für uns die Testgrundlage.

Was ist ein Ökostrom-Produkt? 

Bevor wir detaillierter auf unseren Test eingehen, klären wir zwei grundlegende Fragen:

1. Was ist ein Ökostrom-Produkt? 

Der Begriff „Ökostrom“ ist nicht gesetzlich definiert. Um den sogenannten freiwilligen Ökostrommarkt vom EEG-Strom abzugrenzen, wird hier von „Ökostrom-Produkten“ gesprochen. Nur diese dürfen die Anbieter an Verbraucher und Verbraucherinnen verkaufen. Dabei können sie Ökostrom-Produkte mit verschiedenen Tarifvarianten anbieten.

2. Was ist die EEG-Umlage? 

Die EEG-Umlage zahlen Endkunden an den Stromlieferanten anteilig zum Stromverbrauch. Der reicht diese an die Netzbetreiber weiter, die das Geld wiederum an die Anlagenbetreiber zahlen. Grundlegend gilt somit das Prinzip, dass die Stromkunden den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung bezahlen.

Welche Ökostromanbieter empfiehlt ÖKO-TEST?

Zu den empfehlenswerten Produkten, die der Energiewende einen zusätzlichen Schub verleihen, gehören Ökostrom-Produkte mit einem Aufpreis, der – für Kunden auf der Internetseite nachvollziehbar – in den Ausbau Erneuerbarer-Energien-Anlagen gesteckt wird.

Die Ökostrom-Produkte folgender Anbieter sind transparente Aufpreislösungen: 

  • Wirklich Ökostrom von Polarstern
  • naturstrom Der Ausgezeichnete von Naturstrom
  • Halplus / Strom ÖKO+ von EVH
  • Ökostrompool-Naturstrom von Bürgerinitiative Umweltschutz – Ökostrom Pool
  • WWS Hochstift von WestfalenWIND Strom
  • ERconomy Regio proNatur von Erlanger Stadtwerke
  • Bürgerstrom von BürgerEnergieRheinMain
  • Mein Münster:Strom von Stadtwerke Münster
  • WeimarStrom Öko von Stadtwerke Weimar
  • Fair von Fair Trade Power Deutschland GmbH

Auch Post-EEG-Lösungen sind nützlich 

Ebenfalls ein Plus für die Energiewende: Wenn Anbieter Post-EEG-Lösungen in ihr Portfolio aufnehmen. Hierbei handelt es sich um Geschäftsmodelle, die Besitzern von Photovoltaik-Anlagen neue Einnahmequellen erschließen, wenn diese nach 20 Jahren aus der Vergütung durch das EEG herausfallen. Dadurch schaffen die Anbieter Möglichkeiten und Anreize, diese Altanlagen weiter in Betrieb zu halten.

Von den Anbietern der untersuchten Ökostrom-Produkte konnten einige solche Modelle in unterschiedlicher Ausgestaltung vorweisen. Dies sind:

  • Prokon Windstrom 12 von Prokon
  • WWS Lichtenau von WestfalenWIND Strom
  • Fair von Fair Trade Power Deutschland
  • Sicher Strom von Städtische Werke, Kassel
  • WEMAG Ökostrom von Wemag

Fast alle genannten Anbieter kombinieren dies mit Strom aus Anlagen in der sogenannten „sonstigen Direktvermarktung“, in der auch die Stadtwerke Flensburg tätig sind. Auch sie wird unabhängig von einer Vergütung durch das EEG finanziert.  

Mit PPAs erneuerbare Energien befördern 

Eine weitere Möglichkeit, den Ausbau der Erneuerbaren zu befördern, bieten PPAs, Stromabnahmeverträge für neu errichtete grüne Kraftwerke. Diese Variante wählen:

  • grün.power light von grün.power
  • ÖkoStrom Relax von LichtBlick
  • KlimaStrom Spar12 von EWE
  • Fair von Fair Trade Power Deutschland

Ökostrom-Vergleich: Kritik an Intransparenz   

Lediglich „befriedigend“ vergeben wir für die getesteten Produkte von ProEngeno, Firstcon/Lünestrom, Stadtwerk am See/Bodensee Energie, Hewa und den Stadtwerken Schwentinental. Sie alle besitzen zwar seriöse Zertifikate, diese sind für Verbraucher aber nicht einsehbar. Teilweise sind zudem die Aufpreise auf den Internetseiten intransparent dargestellt.

Bei gut einem Dutzend weiterer Tarife finden sich ähnliche Mängel in der Produktpräsentation, aber in gewichtigerem Ausmaß, weswegen wir sie nur noch mit „ausreichend“ benotet haben.  

Wann überzeugt ein Ökostromanbieter nicht? 

Die Mehrheit der getesteten Ökostrom-Produkte erfüllt nicht die von uns gestellte Anforderung, – für Kunden auf der Webseite nachvollziehbar – dem zusätzlichen Ausbau der erneuerbaren Energien zu dienen. Sie bekommen durch Herkunftsnachweise von oft Jahrzehnte alten Anlagen lediglich einen grünen Anstrich.

Insgesamt fallen 42 von 78 Ökostrom-Produkten mit „mangelhaft“ durch. Welche das genau sind, lesen Sie weiter unten in der Produktbox. 

Das Fazit des Ökostrom-Vergleichs 

  1. Mit Ökostrom Ausbau fördern: Wer sich für ein Ökostrom-Produkt entscheidet, möchte damit erneuerbare Energien fördern. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, dass Anbieter ihren Kunden auf ihren Internetseiten transparent darlegen und belegen, wie der Ausbau mit dem angebotenen Ökostrom-Produkt funktioniert.
  2. Unübersichtlich: Viele Internetauftritte sind wenig kundenfreundlich und es fehlt an Transparenz. Teils nennen die Anbieter Zertifizierungen von Stromprodukten, zeigen aber die Zertifikate nicht. Dazu kommen häufig aussagelose Produktbeschreibungen und schwer nachvollziehbare Tarifübersichten.  
  3. Label-Dschungel: Auch viele neue Label sind aus Verbrauchersicht wenig aussagekräftig. Einige bescheinigen beispielsweise lediglich, dass die bestehenden rechtlichen Regelungen, etwa im Hinblick auf die Entwertung von Herkunftsnachweisen, eingehalten werden. Dass Anbieter Gesetze einhalten ist aus unserer Sicht eine Selbstverständlichkeit.

Übrigens: Wer erneuerbare Energien fördern will, hat neben Ökostrom auch andere Möglichkeiten: die Anlage auf dem eigenen Dach, die Beteiligung an einer Genossenschaft oder an Projekten lokaler Energieversorger.

Wichtige Fragen zum Ausbau erneuerbarer Energien 

Es klingt widersinnig: Viele Stromanbieter, deren Ökostrom-Produkte wir in unserem Test mit „mangelhaft“ bewerten, sind im Bereich erneuerbare Energien aktiv. Sie bauen große Anlagen, tragen wesentlich zur Energiewende bei, tun viel für den Wechsel von fossilen und nuklearen Energien zu regenerativem Strom.

Und dennoch: Die landauf, landab angebotenen Ökostrom-Produkte leisten aus unserer Sicht zur Energiewende kaum einen Beitrag. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick auf die Zusammenhänge beim Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wie kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien zustande?

Der überwiegende Teil des hierzulande erneuerbar erzeugten Stroms stammt aus Anlagen, die mittels des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG), das es seit dem Jahr 2000 gibt, finanziert werden. Ausnahmen zu den über das EEG finanzierten Anlagen bilden im Wesentlichen nur ganz große und schon länger bestehende Wasserkraftanlagen und Biomasseanlagen.

Den Großteil des Ausbaus der erneuerbaren Energien finanzieren wir Stromkundinnen und -kunden über die EEG-Umlage und seit 2021 auch indirekt über Steuermittel. Gegenwärtig arbeitet die Bundesregierung daran, die für den Ausbau der EE-Anlagen notwendigen Gelder künftig vollständig über Steuermittel zu finanzieren.

Wie schafft der Gesetzgeber Anreize dafür, dass EE-Anlagen gebaut werden?

Der Gesetzgeber zahlt eine EEG-Vergütung. Sie kann gemäß Gesetz auf zwei Arten ausgezahlt werden: Entweder nehmen die Netzbetreiber den Anlagenbetreibern den Strom ab, vergüten ihn mit einem festgelegten Satz und verkaufen ihn an der Strombörse. Oder die Anlagenbetreiber übernehmen selbst die Vermarktung. In Abhängigkeit von der Höhe der Erlöse erhalten sie dann eine Marktprämie, die ungefähr der EEG-Festvergütung entspricht.

Prinzipiell sollen die Anlagenbetreiber, deren Stromerträge nicht langfristig planbar sind, dadurch recht gut vorhersehbare Erlöse über die Amortisationsdauer der Anlagen erzielen können. Diesen Mechanismus hat der Gesetzgeber explizit gewählt, um den notwendigen Ausbau anzureizen und die Klimaschutzziele erreichen zu können.

Enthält mein Ökostrom-Produkt auch EEG-Strom?

Nein. Dann könnten sich die Ökostromanbieter einen EE-Ausbau auf die Fahnen schreiben, den sie weder veranlasst noch bezahlt haben: Daher darf umlagebasiert finanzierter EEG-Strom nicht direkt an uns Verbraucherinnen und Verbraucher als Ökostrom verkauft werden. Fachleute sprechen hier vom Doppelvermarktungsverbot.

Wie und ob sich dies in der Zukunft ändern wird, wenn die Aufwendungen des EEG vollständig aus Steuermitteln bezahlt werden sollen, ist noch unklar. Anbieter dürfen nur Ökostrom als Ökostrom-Produkte an Verbraucher und Verbraucherinnen vermarkten, der außerhalb des EEG erzeugt wurde. Diesen gibt es, auch wenn es in der Bundesrepublik bislang eher geringe Mengen sind. Hier lassen sich vier Fälle unterscheiden.

Woher stammt der Ökostrom? 

1. Post-EEG-Modelle: Ü-20-EEG-Anlagen

Der erste Fall sind die sogenannten Ü-20-EEG-Anlagen. Da die EEG-Vergütung (feste oder Marktprämie) 20 Jahre ausgezahlt wird, sind ab Januar 2021 die ersten Anlagen aus der Vergütung herausgefallen. Dies gilt auch für die Anlagen, die mittels des Vorgängergesetzes, des Stromeinspeisegesetzes, gebaut und in das EEG übernommen wurden.

Im Jahr 2022 betrifft dies schon fast 10 Gigawatt der neuen EE-Leistung von über 130 Gigawatt, die seit 1990 installiert worden sind. Sofern diese Anlagen technisch noch gut in Schuss sind und ihr Ersatz nicht durch neuere, und pro Fläche ertragsstärkere, Anlagen gewährleistet werden kann, ist ihr Erhalt im Regelfall notwendig für die Energiewende.

2. Sonstige Direktvermarktung

Der zweite Fall betrifft die Anlagen in der sogenannten „sonstigen Direktvermarktung“. Betreiber von EEG-Anlagen können monatsweise auf die EEG-Marktprämie verzichten und ihren Strom direkt vermarkten. Dies kann lukrativ sein, wenn sie aus dem direkten Verkauf des Stroms mehr Erlöse erzielen als mit der Marktprämie.

Dieses (monatlich mögliche) Opt-out ist aktuell durch die steigenden Preise an der Strombörse durchaus interessant geworden. Auch die Mengen aus der „sonstigen Direktvermarktung“ können in Ökostrom-Produkten verkauft werden.

3. Neue Anlagen außerhalb des EEG

Der dritte Fall betrifft EE-Anlagen, die in den letzten Jahren vollständig ohne eine EEG-Vergütung gebaut wurden; also Anlagen, die wirklich „außerhalb“ des EEG finanziert wurden. Das sind bislang nur recht wenige.

Erst die massenweise Produktion von Erneuerbaren-Energien-Anlagen und der damit verbundene technische Fortschritt hat diese Anlagen so günstig gemacht, dass Parks ohne EEG-Vergütung überhaupt möglich wurden. Diese finanzieren sich zumeist über langfristige Stromabnahmeverträge (die sog. PPAs), entweder von Industriekunden oder von Energielieferanten, die ihre Kunden mit EE-Strom versorgen wollen.  

4. Anlagen im europäischen Ausland  

Der vierte Fall betrifft alle Stromerzeugungsanlagen im europäischen Ausland, die in vergleichbaren Konstellationen sind: Bestandsanlagen, die gebaut wurden, bevor dem EEG vergleichbare Mechanismen geschaffen wurden, oder Anlagen, die ihren Strom selbst vermarkten können oder müssen, weil die geleisteten Vergütungszahlungen allein nicht kostendeckend sind, oder solche, die neu und ohne einen EE-Vergütungsmechanismus gebaut werden.

Dabei müssen die Anbieter nicht mal den Strom kaufen, welchen diese Anlagen produzieren. Für ein Ökostrom-Produkt reicht es, wenn sie die von diesen Anlagen ausgegebenen Herkunftsnachweise kaufen. Die Preise dieser Herkunftsnachweise schwanken zwar, liegen im Schnitt aber bei wenigen Prozent der Gestehungskosten erneuerbaren Stroms.

Herkunftsnachweise für Ökostrom aus alten Bestandsanlagen in Norwegen oder auch im Alpenraum machen den weit überwiegenden Teil der Ökostrom-Produkte am Markt aus.   

Welche Produkte pushen den Ausbau?

Klar: Ein vor Jahrzehnten gebautes Wasserkraftwerk in Norwegen sorgt nicht für einen neuen Schub an erneuerbarer Energie. Solche Produkte haben per se keine Wirkung auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Insbesondere durch die große Menge an alten Wasserkraftwerken in Skandinavien und im Alpenraum ist die prinzipiell für Ökostrom-Produkte vorhandene Strommenge weitaus höher als die Nachfrage nach Ökostrom.

Nur die ersten drei oben beschriebenen Modelle -Post- EEG, sonstige Direktvermarktung und PPAs – tragen dazu bei, mehr EE-Leistung zu installieren oder zumindest den drohenden Abbau von EEG-Leistung zu verhindern. Einige Ökostrom-Produkte unterstützen auch den Ausbau von neuen Kraftwerken außerhalb Deutschlands.

Auch Ökostrom-Produkte, die zwar Strom aus Bestandsanlagen einkaufen, aber zusätzlich einen Aufpreis verlangen, den sie transparent in den Ausbau der EE investieren, sind eine gute Wahl.

Was passiert ohne EEG-Umlage?

Wenn die EEG-Umlage ab Juli 2022 wegfällt, könnte es spannend werden. Nach wie vor werden Stromkunden und Steuerzahlerinnen den Ausbau der erneuerbaren Energie finanzieren, wenn auch über andere Töpfe. Was wegfällt ist jedoch die direkte Zurechenbarkeit der EEG-Stromerzeugung auf die Umlagezahlenden.

Obwohl es hierzu (Stand Anfang März 2022) noch keine detaillierten Gesetzesvorschläge gibt, stellt sich die Frage: Darf dann auch Strom, der aus EEG-Anlagen stammt, direkt als Ökostrom vermarktet werden? Können Herkunftsnachweise (HKN) für den von uns finanzierten EEG-Strom verkauft werden?

Das heutige Geschäftsmodell Ökostrom-Produkt nur mit HKN ohne Ausbauwirkung würde hinfällig: Das Angebot an Herkunftsnachweisen wäre viel größer als die Nachfrage danach – ein zusätzlicher EE-Ausbau aufgrund der Nachfrage nach solchen Ökostrom-Produkten fiele weg. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, ausreichend wirksame Anreize für die Beschleunigung des Ausbaus zu schaffen. Wenn wir dieses Ziel konsequent verfolgen, wird es eines Tages nur noch Ökostrom pur im Netz geben.

Ökostrom-Vergleich aus dem Jahr 2021 

Der hier vorliegende Vergleich ergänzt den Test Ökostrom-Produkte aus dem ÖKO-TEST Magazin 01/2021 und dessen Wiederveröffentlichung im Ratgeber Bauen und Wohnen 2021. Sofern Produkte aus diesen Tests in der aktuellen Grundgesamtheit vorkamen und im aktuellen Erhebungszeitraum für Neukunden am Markt erhältlich waren, haben wir diese erneut überprüft.

Abkürzungsverzeichnis

Damit Sie die Angaben in der Produktbox ohne Probleme verstehen, hier ein Überblick über die gängigen Abkürzungen: 

  • EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz
  • EE = erneuerbare Energien
  • PPA = Power Purchasing Agreement (Stromkauf- bzw. Stromabnahmevereinbarung)
  • Ü20-EEG-Anlagen = Anlagen, die nach 20 Jahren (Ü20) nicht mehr durch das EEG vergütet werden;
  • EEG-Ökostrom = Strom aus EEG-vergüteten EE-Kraftwerken
  • HKN = Herkunftsnachweise (elektronische Dokumente, die bescheinigen, wie und wo in Deutschland Strom aus EE produziert wurde)
  • Vor-EEG-Bestandsanlagen = Anlagen, vor allem norwegische Wasserkraftwerke, aber auch Wasserkraftwerke im Alpenraum, die bereits vor dem EEG in Betrieb waren
27, Mrz 2022
Haarwachs, Haargel & Co. im Test: Eine Ladung Problemstoffe gefällig?

Haarwachs, Haargel und Frisierpaste sollen unseren Frisuren Halt geben. Doch unser Test zeigt: Mit ihnen landen allzu häufig viele problematischer Stoffe im Haar. 20 von 51 Haarstyling-Produkten fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch.

  • Haarwachs, Haargel & Co.: Wir haben 51 Hairstyling-Produkte getestet.
  • Zehn Produkte schneiden mit „sehr gut“ ab, einige enttäuschen aber auch. 
  • Kritik gibt es für bedenkliche Konservierungsstoffe, Verunreinigungen mit Mineralöl und flüssiges Plastik, das durch das Auswaschen in die Umwelt gelangt.

Auch ein vermeintlich „natürlicher Strubbeleffekt“ kommt nicht von allein. Und bleibt erst recht nicht bis zum Abend. Ein Klecks Modellierpaste kann das aber richten, so verspricht zumindest der Kosmetik-Konzern L’Oréal. Und liegt damit im Styling-Trend, denn angeblich sind die Frisuren – zumindest die der Männer– nach den Frisörschließungen länger geworden und brauchen jetzt ein weicheres Styling.  

Die akkurat gegelte Kurzhaarfrisur ist also out? Wohl kaum, denn die Umsätze für Haargel sind in den letzten beiden Jahren nur marginal gesunken. Wir haben den großen Rundumschlag gemacht und sie alle eingekauft – vom Haargel für den unzerstörbaren 48-Stunden-Look bis zur Frisierpaste für den „undone style“.

Haarwachs, Haargel & Co. im Test: Zehn mit Bestnote

Wir haben 51 Tuben und Tiegel für alle Geschlechter auf Inhaltsstoffe und die Verpackung hin getestet. Konkret untersuchten wir 32 Styling- und Haargele mit stärkeren Halte-Versprechen sowie 19 Haarpasten, -wachse, Frisiercremes und Pomaden.

Das Ergebnis: Zehn Haarstyler schnitten ohne Abstriche mit „sehr gut“ ab. Ein gutes Drittel der Styling-Produkte fällt allerdings mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch den Test. In den Cremes, Gels und Pasten, die auf den hinteren Rängen landen, summiert sich so einiges an problematischen Substanzen.

Bedenklicher Konservierer in Haargel und Haarpaste

Beginnen wir mit den Konservierungsstoffen. Hier sind wir auf eine ganze Reihe von Stoffen gestoßen, die wir kritisieren. Allen voran Formaldehyd/-abspalter, die das Labor in zwei Haargelen und einer Haarpaste nachgewiesen hat.

Bei den Haargelen passt die Laboranalyse auch zur Deklaration: Dort steht mit DMDM Hydantoin ein Konservierungsmittel, das nach und nach Formaldehyd freisetzt. 

Das Problem: Formaldehyd kann Kontaktallergien auslösen und schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen. Die EU plant derzeit strengere Regeln für die Warnung vor Formaldehyd in Kosmetika. Da ist es stimmig, dass eines dieser Haargele laut Anbieter bald ohne DMDM Hydantoin auf den Markt kommen soll.

Diese Konservierer sind auch problematisch

Formaldehyd/-abspalter sind aber nicht die einzigen bedenklichen Konservierer im Test. Die Liste ist noch länger. Folgende haltbarmachenden Stoffe halten wir ebenfalls für kritikwürdig:

  • Chlorphenesin: Es handelt sich um eine halogenorganische Verbindung, die die Haut irritieren kann. 
  • Butylhydroxytoluol (BHT): Das Antioxidans steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken – im Tierversuch beeinträchtigte es die Schilddrüsenfunktion.
  • Propylparaben: Die EU hat Propylparaben wegen des Verdachts auf eine hormonelle Wirkung streng reglementiert und sein Einsatz ist heute sehr viel seltener geworden. Dennoch sind wir im Test darauf gestoßen. Die EU-Vorgaben werden eingehalten, allerdings wäre eine zeitgemäßere Rezeptur wünschenswert. 

Mineralöl in Haarwachsen, Haargelen & Co.

Ein weiterer Kritikpunkt: Einige Haarstyling-Produkte im Test sind mit Mineralöl verunreinigt. Das liegt an den Paraffinen, die in vielen untersuchten Styling-Produkten mit höherem Fettanteil enthalten sind. Paraffine sind künstliche Fette, die aus Erdöl hergestellt werden.

Sie können sich in Leber, Niere oder Lymphknoten sammeln und im ungünstigsten Fall mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein. Unter den MOAH können sich krebserregende Stoffe befinden. Das Labor fand MOAH in 14 Produkten .

Flüssiges Plastik in vielen Haarstyling-Produkten

In Sachen Umweltfreundlichkeit gibt es noch viel Luft nach oben: Mehr als die Hälfte der getesteten Haarstyling-Produkte kommt nicht ohne synthetische Polymere aus – da stehen einem buchstäblich die Haare zu Berge. Synthetische Polymere sind lösliche Kunststoffe, die einen dünnen Film auf dem Haar bilden. Sie sorgen maßgeblich für Stand und Festigkeit.

Aber: Das Flüssigplastik gelangt mit der Haarwäsche in die Umwelt, wo es sich zum Teil nur schwer wieder abbaut. Dabei geht Haarstyling auch ohne aus Erdöl hergestellte Kunststoffe. „Brettharte Looks“ sind dann allerdings eher nicht drin.

Umweltschädlich ist auch der synthetische Moschusduft Galaxolid. Er breitet sich überall in der Umwelt aus und gilt als gewässerschädigend. Galaxolid hat das Labor in einem Haarwachs und einem Haargel aufgespürt.

Die Unterschiede zwischen Haarwachs, Gel und Paste

Klebrige Details: Wie unterscheiden sich verschiedene Hairstyling-Produkte? 

  1. Haargel: Ist wasserbasiert und lässt sich leicht auswaschen. Es macht das Haar steif, sodass sich die Frisur nicht umstylen lässt. Basis sind natürliche oder synthetische Gelbildner.
  2. Haarwachs: Basiert auf natürlichen (Carnauba, Kokos) oder erdölbasierten Wachsen wie Paraffinen oder Vaseline. Gibt dem Haar starken Halt, härtet aber nicht aus. Die Frisur lässt sich nach dem Stylen verändern. Haarwachs lässt sich schwerer auswaschen als Gel. Für feines Haar ist es weniger geeignet.
  3. Haarpasten: Sind nicht klar definiert. Ihre Konsistenz reicht von klebrigem Lehm bis zu dicker Zahnpasta. Pasten geben mittleren bis starken Halt, sind matt oder leicht glänzend. Da sie wasserbasiert sind, lassen sie sich gut auswaschen.
  4. Frisier-/Stylingcreme: Gibt es seit rund einhundert Jahren. Die wasserbasierten Cremes geben leichten Halt, sind flexibel und halten sich beim Glanz zurück. Sie sind auch für feineres Haar geeignet. Stylingcremes enthalten oft Pflegekomponenten.
  5. Pomade: Pomade verleiht dem Haar einen glatten, akkuraten Look, meist mit starkem Glanz. Sie ist besonders geeignet für Kamm-Frisuren, die sich umstylen lassen. Klassisch sind ölbasierte Pomaden, es gibt aber auch wasserbasierte Varianten.
  6. Clay: Enthält Tonerde (clay = Englisch für Lehm/Ton), meist Bentonit. Es lässt das Haar dicker wirken und gibt ihm Halt, ohne es zu beschweren. Ideal für Frisuren mit viel Volumen. Clay am besten vor der Anwendung zwischen den Handflächen aufwärmen.

Quelle: Ökotest

27, Mrz 2022
Hipp, Saubär und Co.: Sechs von 16 Kinderseifen sind „sehr gut“

Kinderseife soll die kleinen Hände schnell wieder sauber bekommen und dabei sanft zur Kinderhaut sein. Bei den meisten Produkten in unserem Test klappt das auch. Trotzdem sind nicht alle Kinderseifen frei von umstrittenen Inhaltsstoffen.

  • 16 Kinderseifen im Test: Das beauftragte Labor stieß auf umstrittene Tenside und halogenorganische Verbindungen.
  • Wir finden: Spezielle antibakterielle Wirkstoffe in Kinderseife sind unnötig, normale Seife reicht aus.
  • Saubere Sache: Sechs Kinderseifen bestehen unseren Test mit „sehr gut“.

Beim Reinkommen, vorm Essen, nach dem Marmeladenbrot, nach jedem Toilettengang – immer heißt es: Händewaschen! Und das stößt bei Kindern selten auf Begeisterung. Da kann es schon helfen, wenn auf der Seife ein tolles Bild ist, sie nach Erdbeere duftet oder als interessanter Schaum aus dem Spender quillt. Doch sind die Inhaltsstoffe auch okay? Wir ließen 16 Produkte im Labor prüfen. 

Kinderseife im Test: Bübchen, Sagrotan und Co. im Vergleich

Eine gute Nachricht vorweg: Das von uns beauftragte Labor hat keine problematischen Duftstoffe gefunden. Das war in unserem letzten Test von Flüssigseifen und festen Seifenstücken noch anders. Hier gab es unter anderem Kritik an dem Duftstoff Lilial: Er steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu gefährden. Seit dem 1. März 2022 ist Lilial (Butylphenyl Methylpropronal) in der EU verboten.

In unserem jetzigen Test sind wir aber trotzdem auf Problemstoffe gestoßen: Das Labor fand umstrittene Tenside und halogenorganische Verbindungen.

Sanfte und unsanfte Tenside in Kinderseife

Flüssigseifen bestehen hauptsächlich aus Wasser und Tensiden als waschaktive Substanzen. Fünf Produkte im Test enthalten PEG-Verbindungen. In der Kosmetikindustrie werden sie als Emulgatoren benutzt, um etwa Wasser und Fett zu verbinden. Wir sehen PEG-Verbindungen kritisch, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Milder reinigen hingegen Zuckertenside, die etwa in einigen der „sehr guten“ Seifen im Test stecken.

Diese Problemstoffe gehören nicht auf Kindehaut

Einmal wurde der kritische Konservierer Chlormethylisothiazolinon in der Laboranalyse bestätigt.

  • Chlormethylisothiazolinon gehört zu den halogenorganischen Verbindungen.
  • In nicht abwaschbarer Kosmetik ist er wegen seines starken allergenen Potenzials schon seit Jahren verboten.

Daher wäre es verantwortungsvoll und konsequent, ihn aus jedem Kosmetikprodukt zu verbannen. Und gerade auf Kinderhänden hat er aus unserer Sicht nichts verloren.

In vier Produkten ist das Labor auf weitere halogenorganische Verbindungen gestoßen. Diese Gruppe umfasst mehrere Tausend Stoffe, von denen viele allergieauslösend sind und sich fast alle in der Umwelt anreichern.

Antibakterielle Wirkstoffe in Kinderseife unnötig

Einige Produkte im Test brüsten sich auf der Verpackung mit dem Hinweis „antibakteriell“. Nun steht außer Frage, dass richtiges Händewaschen mit Seife vielen Infektionserkrankungen vorbeugt. Erreger werden dabei schlicht mechanisch entfernt, dank der Seife auch aus dem Fettfilm der Haut. Welchen zusätzlichen Vorteil Rezepturen mit Salicylsäure oder Milchsäure den Kindern da noch bringen sollen, ist nebulös.

Auf unsere Frage nach einem Beleg schickte uns nur ein Hersteller überhaupt eine produktbezogene Studie. Darin fehlt allerdings der Vergleich von Haut, die mit seiner Seife und mit herkömmlicher Flüssigseife gewaschen wurde. Daher ist, wie wir meinen, auch kein erkennbarer Vorteil belegt.

Nach dem Händewaschen gut eincremen

Aus hygienischer Sicht genügt übrigens kaltes Wasser. Wenn die Kinder damit aber weniger Lust zum Händewaschen haben, ist lauwarmes die nächstbeste Wahl. Mindestens 20 Sekunden einschäumen sollten es sein. Zur Abwechslung vom ewigen Happy-Birthday-Singen: einmal von einem anderen Lied die Zeit stoppen und dann umsteigen.

Nach häufigem Händewaschen oder auch nach dem Spielen bei Kälte im Sand kann die Haut austrocknen. Dann die Hände ruhig öfter am Tag eincremen. Denn wenn die Haut erst rissig wird, tut das weh. Außerdem schwächt es sie als Barriere gegen Krankheitserreger. Unsere Testergebnisse für Handcremes können Sie hier nachlesen. Einfach auf den Kasten klicken.

Die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

27, Mrz 2022
Duale Ausbildungsberufe rund ums Wasser

Der Internationale Weltwassertag am 22. März macht auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage aufmerksam. Entlang des Wasserkreislaufs gibt es im dualen Berufsbildungssystem spannende und vielseitige Ausbildungsberufe mit interessanten Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Damit unser Trinkwasser in vorgegebener Qualität verfügbar ist, bereiten „Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik“ das Wasser auf. Sie arbeiten in Betrieben der Wasserversorgung und bedienen, überwachen und warten dort die Anlagen zu Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Überwachung der Betriebsabläufe, die Probenentnahme und -auswertung sowie die Verlegung von Rohrleitungen. Die Fachkräfte können sich zum „Wassermeister“/zur „Wassermeisterin“ fortbilden.

„Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ betreuen das Rohr- und Kanalnetz, um das Trinkwasser zum Verbraucher und das Abwasser zurück zur Kläranlage zu leiten. Sie reinigen, prüfen und reparieren die Leitungen und Kanäle. Dazu nutzen sie Spezialfahrzeuge mit High-Tech-Ausrüstung und ferngesteuerte Kanalroboter. Auch hier gibt es eine Meisterfortbildung für Rohr-, Kanal- und Industrieservice.

In der Kläranlage wird das Abwasser gesammelt und aufbereitet. Die „Fachkräfte für Abwassertechnik“ überwachen die Abläufe während der Wiederaufbereitung des Wassers und die Funktion der Abwasserkanäle. Außerdem warten und reparieren sie die technische Ausstattung wie Maschinen, Pumpen und Motoren, nehmen Proben und untersuchen diese im Labor. Als Weiterentwicklungsmöglichkeit kann eine Weiterbildung zum „Abwassermeister“/zur „Abwassermeisterin“ absolviert werden.  

Der Beruf „Fachkraft für Abwassertechnik“ ist einer von mehreren, die im Projekt Berufsbildung 4.0 exemplarisch auf die Auswirkungen der Digitalisierung untersucht wurden. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Aufgaben durch den Einsatz digitaler Technologien anspruchsvoller geworden sind.

Die „Wasserbauer/Wasserbauerinnen“ sind zuständig für die Unterhaltung der Bundes- und Landeswasserstraßen und des Küstenbereichs. Sie bauen und warten z.B. Uferbefestigungen, Schleusen, Dämme und Deiche. Außerdem kümmern sie sich aber auch um den Betrieb und die Unterhaltung von Talsperren, um den Hochwasserschutz und die Eisabwehr. Der zugehörige Fortbildungsabschluss heißt „Wasserbaumeister/Wasserbaumeisterin“.

Die „Fachkräfte für Wasserwirtschaft“ planen gemeinsam mit Ingenieuren den Bau von Wasser- und Abwasserleitungen und Anlagen zur Wasserver- und -entsorgung. Neben vielen anderen Aufgaben sind sie an den Festsetzungsverfahren für und der Überwachung von Wasserschutzgebieten beteiligt und kontrollieren Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen.

Die Berufe Fachkraft für Wasserversorgungstechnik, Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice und Fachkraft für Abwassertechnik gehören zur Berufsfamilie der Umwelttechnischen Berufe, die sich zurzeit in der Neuordnung befindet. Weitere Informationen zu den einzelnen Aus- und Fortbildungsberufen sind auf dieser Seite verlinkt.

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

25, Mrz 2022
Lockangebote: Was steckt dahinter?

Werbung für Produkte, die besonders günstig zum Kauf angeboten, im Laden vor Ort oder im Online-Shop aber nicht mehr verfügbar sind, heißt Lockangebot. Welche Rechte und Möglichkeiten Verbraucher:innen haben und ab wann Werbung unlauter wird, erklärt die Verbraucherzentrale Bremen.

Ein Lockangebot ist die Werbung mit besonders preisgünstigen Artikeln, die im Geschäft oder Online-Shop nicht mehr vorhanden sind

Rechtlich gesehen reicht der Hinweis „Solange der Vorrat reicht“ nicht immer aus

In einem kurzen Video-Beitrag wird anschaulich erklärt, was für Rechte und Möglichkeiten Verbraucher:innen haben und ab wann Werbung zu einer unlauteren Werbung wird.

Besonders günstig. Schnäppchen. Schnell zugreifen. Immer wieder werben Unternehmen mit reduzierter Kleidung, besonders günstigen Elektronikartikeln oder einem Last-Minute Reiseschnäppchen. Wollen Verbraucher:innen das Schnäppchen dann ergattern, ist das beworbene Produkt bereits ausverkauft. „Wir erhalten oft Beschwerden über solche Lockangebote. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind verärgert, dass „ihr Produkt“ im Laden oder Online-Shop gar nicht mehr vorhanden ist“, sagt Sonja Welzel, Verbraucherrechtsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bremen und ergänzt: „Leider können sie in nur sehr wenigen Fällen etwas gegen diese Masche tun. Einen Anspruch auf das Schnäppchen haben sie leider nicht“.

Was sind Lockangebote?

Ein Lockangebot ist eine Werbemaßnahme für eine besonders preisgünstige Ware oder Dienstleistung, die das anbietende Unternehmen nicht in ausreichender Menge für einen angemessenen Zeitraum bereitstellen kann. Das heißt: der Shop hat das Produkt nicht oft genug und deshalb ist es sehr schnell ausverkauft. „Diese Art von Angeboten finden Verbraucherinnen und Verbraucher sowohl im stationären Handel als auch im Internet“, ergänzt Sonja Welzel. 

Klassiker: Lockangebote im Laden vor Ort

Der Klassiker unter den Lockangeboten ist folgender: Verbraucher:innen sehen ein Angebot im Prospekt, fahren zum Laden und stehen dort vor leeren Regalen. Daher verweisen viele Unternehmen in Werbeprospekten mit einem kleinen Sternchen auf den Zusatz: „Solange der Vorrat reicht“.

„Rechtlich gesehen reicht es nicht in jedem Fall aus, den Hinweis „Solange der Vorrat reicht“ zu geben; der Händler muss trotzdem einen „angemessenen Zeitraum“ eine „ausreichende Menge“ der Ware vorrätig haben“, erklärt Sonja Welzel. „Was darunter zu verstehen ist, richtet sich – wie so oft – nach dem Einzelfall.“ 

Ziel des Ganzen ist es, Verbraucher:innen in den Laden zu bringen. Wer erstmal dort ist, stöbert dort oft herum und kauft im Endeffekt vermutlich ein teureres Produkt, weil das Angebot aus der Werbung nicht mehr vorrätig war. Aus diesem Grund gelten Lockangebote – zurecht – als Irreführung. 

Lockangebote im Online-Shop

Das Pendant im Online-Shop ist die Nachricht des Unternehmens, dass die soeben online bestellte Ware aus irgendeinem Grund doch nicht mehr lieferbar ist. Oder Käufer:innen bekommen gar keine Benachrichtigung. Ein Lockangebot im Internet ist vor allem beim Kauf per Vorkasse mit größerem Aufwand verbunden. Denn in diesem Fall müssen Verbraucher:innen ihrer Erstattung im schlimmsten Fall auch noch hinterherlaufen. Die Online-Shops verfolgen häufig ein ähnliches Ziel: Da andere Shops immer nur ein paar Klicks entfernt sind, herrscht stets ein harter Preiskampf. Wollen Shops mit ihrem Angebot etwa bei Vergleichsportalen ganz oben gelistet werden, müssen sie den günstigsten Preis anbieten. Die Chancen, dass ihre Website besucht wird, steigen dadurch drastisch. Und auch dort gilt: Wer erst einmal im Shop stöbert, der wird auch fündig. 

Sind Lockangebote erlaubt?

Geschäfte dürfen nur mit besonders preiswerten Angeboten werben, wenn diese in ausreichender Menge vorrätig sind und sie für einen angemessenen Zeitraum vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um eine nicht erlaubte Irreführung der Kund:innen. „Sind die Schnäppchen entweder gar nicht oder nur in unzureichender Menge und nicht für einen angemessenen Zeitraum vorhanden, sprechen wir von unzulässigen Lockangeboten“, sagt Sonja Welzel.